Im November 1902 wandte sich die Synode an die Staatseisenbahnverwaltung mit dem Ersuchen, die Schaffung einer Eisenbahnlinie im Anschluß an das bestehende Staatsbahnnetz nach dem Friedhofsgelände bei Stahnsdorf in Erwägung zu ziehen. Gleich von Anfang an stellte man den Bahnhof Wannsee als zweckmäßigsten Übergangsbahnhof in den Vordergrund, weil er in bequemer Weise den Anschluß an die wichtigsten Teile der Diözese vermittelt, nämlich von Charlottenburg und von Schöneberg her. Als Ort für die Leichenaufgabe wurde der Südringbahnhof Halensee ausersehen.
Die Eisenbahnverwaltung erklärte sich Anfang 1908 bereit, den Betrieb und die Unterhaltung einer Friedhofsbahn Wannsee-Stahnsdorf auf eigene Kosten zu übernehmen, wenn die Synode die Baukosten einschließlich des Grunderwerbs tragen würde. Der Vertrag zwischen Synode und Eisenbahndirektion Berlin wurde am 21.10.1909 geschlossen, und zwar unter dem Ge-sichtspunkt, daß die Synode die Bauausführung selbst in die Hand nehme.
Für die „Stahnsdorfer Terraingesellschaft“ hatte die Erschließung der Gegend besonderen Wert. Sie gab daher das zum Eisenbahnbau erforderliche Gelände in der ganzen Ausdehnung zwischen dem Südwestfriedhof und dem Besitz des Prinzen Friedrich Leopold kostenlos her und leistete ferner zum Bahnbau einen Kostenzuschuß von 630.000 Mark, unter der Bedingung jedoch, daß ihr die Möglichkeit der Einführung eines Anschlußgleises in den Bahnhof Stahnsdorf und die Einschaltung des Haltepunktes Dreilinden dicht südlich der ersten preußischen Eisenbahnstrecke Berlin-Potsdam zur Förde-rung der Entwicklung ihrer Kolonie Dreilinden gewährleistet werde.
Der erste Spatenstich wurde im August 1911 getan. Am 2. Juni 1913 wurde die Bahn feierlich eingeweiht und am 3. Juni 1913 dem Verkehr übergeben. Von 1909 bis 1913 hatten Automobile der Stadtsynode Leichen und Leidtragende von Wannsee bis Stahnsdorf befördert, was zu vielen Unzuträglichkeiten führte und außerordentlich hohe Kosten verursachte. Die Gesamtkosten der 4,4 km langen Bahn ohne Grunderwerb haben 1.900.000 Mark be-tragen, das sind 431.818 Mark für 1 km. (Regierungsbaumeister Roloff, Stettin 1914)
Im Jahr 1928 wurde die „Friedhofsbahn“ mit 800 Volt Gleichspannung elektrifiziert und unter dem Namen „S-Bahn“ am 1. Dezember 1930 Bestandteil des Vorortverkehrs.
In den dreißiger Jahren wurde eine Verlängerung der Friedhofsbahn plane-risch vorbereitet. Der Weltkrieg vereitelte diese Pläne. Erst im Mai 1948 wurde die in den letzten Kriegstagen gesprengte Brücke über den Teltowkanal wieder errichtet. Bis dahin endete die aus Berlin kommende S-Bahn in Dreilinden. Mit dem Mauerbau kam für die Strecke das Aus. Nach dem 13. August 1961 wurden die Anlagen demontiert, die Bahnhöfe Dreilinden und Stahnsdorf verfielen. Der Friedhofsbahnhof wurde 1976 wegen Einsturzgefahr abgerissen.


Der Bahnhof Stahnsdorf mit seinem Empfangsgebäude war durch den großflächigen Vorplatz vom Kirchhof getrennt. Bis heute erhalten geblieben sind Bahnsteig und Bahnhofsgaststätte.

Für diese schloß die Berliner Stadtsynode am 18.8.1910 mit dem Gastwirt Hermann Türck aus Kleinmachnow einen Pachtvertrag:
„§ 1. Die Berliner Stadtsynode verpachtet dem Herrn Gastwirt Hermann Türck den Betrieb der Schankwirtschaft vor dem Eingange des Südwest-kirchhofes in Stahnsdorf vom 15.August 1910 ab bzw. vom Tage der Übergabe der betriebsfähigen Wohn- und Wirtschaftsräume, wie er in der im § 10 ausbedungenen Übergabe-Verhandlung festgesetzt wird.
§ 2. Der jährliche Pachtzins ist auf 200 M, buchstäblich: Zweihundert Mark, festgesetzt und in vierteljährlichen Teilbeträgen im voraus an die Kasse der Berliner Stadtsynode zu Berlin C, Neue Friedrichstraße 69 in den ersten sie-ben Tagen des begonnenen Vierteljahres kostenfrei zu zahlen. Der Pächter trägt sämtliche auf dem Gebäude und dem Schankbetriebe ruhenden Lasten und Abgaben.
§ 3. Der Vertragsabschluß erfolgt auf unbestimmte Zeit, doch steht beiden vertragschließenden Teilen jederzeit frei, den Vertrag mit dreimonatlicher Frist, deren Lauf mit dem ersten Tage des auf die Kündigung folgenden Monats beginnt, zu kündigen.“

P.S. Nach der Wende gab es Überlegungen, die Friedhofsbahn zweispurig als S-Bahn von Stahnsdorf nach Teltow zu verlängern und an die Teltower S-Bahn anzuschließen - ein Plan aus den dreißiger Jahren. Inzwischen „liegt ein Planfeststellungsbeschluß für den Brandenburger Teil der S-Bahn-Trasse Berlin-Lichterfelde-Süd nach Teltow-Stadt vor. Die Finanzierungs-vereinbarung wird erwartet, so daß mit einer Inbetriebnahme der Strecke voraussichtlich zum Jahresende 2004 bzw. Jahresbeginn 2005 zu rechnen ist. Nach Aussagen der DB AG und der S-Bahn GmbH ist eine Streckenver-längerung in Richtung Stahnsdorf betrieblich möglich. Während die Pla-nungsoption für eine Verlängerung um eine Station in Richtung Stahns-dorf weiter aufrechterhalten werden sollte, werden für den Rest des so-genannten Ringschlusses und die Friedhofsbahn auf Dauer keine S-Bahn-würdigen Fahrgastpotentiale gesehen und deshalb eine derartige Inbetriebnahme ausgeschlossen“.